
Es fällt mir schwer, die Story einigermaßen kurz zu halten, denn es
gibt unglaublich viel über „MA-DL 589“ zu erzählen! Im folgenden Text
heißt das Autolein einfach nur Madl - abgeleitet vom Kennzeichen
MA-DL-589.
Überaus stolz rollte ich mit dem eben gekauften, unerprobten Auto nach
Hause, das es gerade so noch erreichte: das leichte Stottern auf der
Zielgeraden wertete ich in meiner Naivität als Schwäche des
Benzintanks: wohl nix mehr drinnen?
Dieses anfängliche Stottern sollte sich im Lauf der Zeit als
Kleinigkeit herausstellen, denn Madl hatte wesentlich weniger zu
bieten, als die hübschen äußeren Rundungen versprachen... Vielleicht
ein dezenter Hinweis, wenn man ihn auf gewisse menschliche Wesen
überträgt? So weit war ich zwar noch nicht ganz in meiner jugendlichen
Philosophie, aber ein Stempel wurde mir dadurch wohl aufgeprägt: Außen!
Und Innen?...
Hier also kleine Begebenheiten mit dem Madl, einfach vor mich hin
erzählt - so, wie es halt auch damals war: wirr; saugut; teilweise
naiv, weil Leben und Abenteuer viel bedeuteten; einfach drauflos, ohne
sich tiefgreifende Gedanken zu machen - Hauptsache: Spaß!
Bei Regenwetter, sofern es am Vorabend einsetzte, konnte ich erst fahren, nachdem ich die Gummistöpsel aller vier „Bodenwannen“ gezogen hatte; alle Fenster waren undicht, das Autolein stand innen völllig unter Wasser, bis hin zu den unteren Enden der Pedale - darüber musste es einen Abfluss geben, den ich noch nicht kannte. Gut aber, dass er offensichtlich da war.
Wenn es nicht regnete, war es auch schwer mit der Fahrerei; der Motor
sprang einfach nicht an. Per Kurbel an der Hinterseite hat es oft
geklappt, aber einigemale ist mir dabei fast die Schulter ausgerenkt
worden, weil ich anfangs den Dreh noch nicht heraus hatte, wie man
einen Motor mittels einer Kurbel, die eben diesen Motor direkt an der
Kurbelwelle dreht, starten kann: springt der Motor plötzlich an, wenn
du diese blöde Kurbel noch in der Hand hast, dann wirkt das wie ein
Schlag eines Pferdehufes auf die Armgelenke!
Nun, wenn Madl endlich mal auf Trab kam und ich mit der Clique und
andern, echten Autos auf Tour gehen wollte, dann blinkte mir ein
Rotlicht ins Auge: kein Öl mehr!
Alles untenherum war undicht, man nennt so etwas auch Inkontinenz;
trotz meiner vielen Versuche, die Ölwanne und den Motor abzudichten,
verbrauchte das Auto fast mehr Öl als Benzin. Ich musste also erst an
eine Tankstelle, um Kanisteröl zu kaufen; danach konnte die Ausfahrt in
den Odenwald beginnen – während sich meine Kumpels und Kumpelinen die
wohl berechtigte Frage stellten, wie lange mein Ölvorrat halten würde?
Da ich aber damals auch schon schlau war, bunkerte ich einen Ölkanister
im Kofferraum:
Ha! Wenn die anderen tanken müssen, dann nehme ich die Gelegenheit zu
einer Ölfüllung wahr! Benzin braucht Madl ja irrsinnig wenig, dafür
halt aber Öl ohne Ende...
Bild eines 1958er Baujahres, aus dem Netz gefischt

Unterhalb der Armaturen gab es keinerlei Abdeckung, was einen
entscheidenden Vorteil hatte:
Im rechten Handschuh"fach" deponierte ich dicke Arbeitshandschuhe, mit
denen ein Beifahrer (meistens Werner), - falls es während einer
Ausfahrt zu Regnen beginnen sollte -, einfach unter die Armaturen
greifen und das Gestänge der Scheibenwischer hin und her schieben
konnte, bis wir einen sicheren Platz zum Anhalten fanden und der Regen
wieder aufhörte. Ja, ganz richtig: die Wischer funktionierten nicht,
der dafür zuständige Motor hatte keinen Geist mehr!
Bevor ich die Fenster alle mit Kitt abgedichtet hatte, mussten wir halt
immer die Stöpsel ziehen, bevor wir weiterfahren konnten. Allerdings
waren wir einmal in einen heftigen Dauerregen geraten, und da half nix
anderes als: Weiterfahren und Scheibenwischergestänge ziehen, viele
Kilometer bis nach Hause... Werner hatte danach heftigen Muskelkater,
obwohl wir beide ja Handballer und somit durchtrainiert waren; aber
eine solches Martyrium hatten wir niemal geübt...
Die Mädels hinten hatten die Füße auf der Sitzbank, bei uns vorne ging
das ja nicht; Werner musste ja das Gestänge betätigen und sich dabei
irgendwie abstützen, und bei mir ging ohne Füße ja schon gar nichts!
Clever, dass die Pedale nicht mit Gummi überzogen waren, sonst wäre es
echt zu glatt geworden.
Das Kofferradio, das wir zwischen die Vordersitze geklemmt hatten,
dudelte fröhlich dazu, und insgesamt hatten wir doch sehr viel gelacht
dabei - zum Glück waren wir eine äußerst humorvolle Bande!
Auf diesem Bild...

...bin ich gerade dabei, den Boden zu verspachteln: unter den
Einstiegen konnte man seitwärts bis zu den Ellenbogen in den
Zwischenraum unter dem Innenboden greifen, was mir nicht so optimal
erschien. Außerdem sahen die riesigen Löcher ziemlich doof aus.
Klugerweise hatte ich die Hohlräume mit den Tageszeitungen der letzten
vier Wochen ausgestopft, bevor ich Glasfasermatten aufklebte und
zuspachtelte! Was ich mir dabei gedacht hatte, entzieht sich heute
schamhaft meiner Erinnerung...
Einmal hatte Madl auf dem Rückweg einer Tour das große Sausen bekommen:
wir jagten einen Käfer: Das war wohl auch ein 27 PS-Teil, aber wir
waren schneller!
Der Käferfahrer war alleine, und neben mir vollführte Werner
Schubsbewegungen wie in einer Schiffsschaukel, damit wir bei diesem
irrwitzigen, bis dato selten erreichten Tempo von 119 km/h vielleicht
überholen könnten. Nach bestimmt einem Kilometer auf der Bundesstraße
und bei unserem ständigen Ansporngebrüll hätte das auch um ein Haar
geklappt, denn wir waren locker zwei Stundenkilometer schneller - wenn
da nicht plötzlich der Kofferraumdeckel aufgesprungen wäre...
Und somit ging uns schlagartig die Sicht aus, Madl bockte wie wild in
diesem Windfang, und wir hatten Sause, dass uns das Teil glatt
abfliegen könnte.
Schade: diesen Triumph hätte ich uns zu gerne gegönnt!
Auf dem Seitenstreifen konnten wir die Haube zwar schnell wieder
befestigen, aber das Rennen war nun gelaufen. Zum Glück fing es nicht
auch noch an zu regnen...

Ich mit meinen zwei ersten großen Lieben:
die eine sitzt hinten auf der Motorhaube der anderen, quasi mein Mädl
auf meinem Madl... Brav die Schuhe unten abgestellt!
Sitzend in der Mitte meine beste
Freundin "Moni-Herzl", davor und
dahinter zwei Mädels aus unserer rund 12 Leuten starken Clique, und
Werner knipst.
Unsichtbar in der Mitte zwischen den Vordersitzen: das unvermeidbare
Kofferradio! Habt ihr gerade die Hitparade vom Sonntag, Mitte Juni 1972
im Ohr?
Fast vier Monate lang
hatten wir viel Spaß miteinander, Madl und ich
und die anderen aus unserer Clique, aber auch oft viel Stress; denn mit
der Zeit kamen noch weitere kleine Unannehmlichkeiten hinzu:
Startvorgänge spielten sich in der Regel mit der Kurbel ab, und ich
fürchtete um die Gesundheit meines Armes;
deswegen verlegte ich mich aufs Anschieben, aber das war auch eine
heftige Plackerei: das Reinspringen nach dem Anrollen klappte auch
nicht immer, weil die Karre zu langsam war bzw. der Anschieber langsam
die Kräfte verlor...
Außerdem wurden die Bremsen ihrer Funktion nicht mehr gerecht, obwohl
ich die Leitungen entlüftet hatte; nur in Verbindung mit der Handbremse
klappte es einigermaßen.
Als aber dann auch diese Bremskombination nicht mehr die erwünschte
Wirkung zeigte und ich an einer auf Rot umschaltenden Ampel verzweifelt
rechts an einen Randstein lenken musste, um den Bock zum Stehen zu
bekommen, hatte der Spaß entgültig seine Grenzen erreicht: weg und ab
mit dieser Karre!
Als Entschuldigung hätte ich ja auch anführen können, dass der
Aschenbecher voll war. Aber es gab ja nicht mal einen! Wir klemmten
immer einen mitgebrachten hinter das Kofferradio.
Für 30 DM verkaufte ich die Dauphine schließlich an einen Liebhaber, der wohl erkannte, dass man mit etwas viel Arbeit aus diesem Teil ein echtes Liebhaberstück basteln könne.
Wer recherchiert wird erkennen, dass dieses Auto heutzutage (2010) - je
nach Zustand - zwischen 2.000 und 9.000 Euro gehandelt wird!
Jetzt, beim Erinnern und Schreiben, kommt eine gehörige Portion Wehmut
auf! Seltsam - oder etwa nicht?
Nachsatz:
Meine nächsten Autos waren fast allesamt Käfer, von denen ich in rund
zehn Jahren zwölf Stück fuhr!
Jung und verrückt probierte ich in dieser Zeit aber auch noch andere
Autos aus: VW 1600 mit Doppelvergaser, Fiat-weißnichtmehr, VW 1600
normal; bestimmt noch fünf andere Autos, an deren Marken ich mich kaum
noch erinnern kann:
Immer zu Preisen bis zu 300 DM gekauft, eine kurze Weile gefahren und
dann an eine
Werkstatt verkauft, die bis zu 250 DM zahlte! Und der Hit dabei war,
dass diese Werkstatt eigentlich
nur an Motoren und Getrieben interessiert war: den Rest durfte ich
abschrauben und behalten. Die Folge:
Ich wurde weithin als Erstzteil-Lieferant bekannt! Im Keller meiner
Eltern türmten sich neben Kotflügeln und Stoßstangen auch beliebte
Objekte wie Seitenspiegel, Rücklichter, Frontscheinwerfer; aber auch
Anlasser oder Radabdeckhauben waren hier zu finden und vieles mehr...
Manno, war das eine Gaudi!...
...auch auf der Anmeldestelle, wo ich ja monatlich auftauchte: Der
Sachbearbeiter rief mich per Lautsprecher in der Wartezone immer auf
mit "Nobert ..." , was mir bald zu blöd war und ich ihm erklärte, dass
in meinem Vornamen ein "r" fehlt. Danach hieß ich Norbert und der
Sachbearbeiter Heinz!
Und ich musste fortan nicht mehr so lange warten...